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Zur Sicherung von Bildung und zum Schutz der Lehrkräfte in Hessen

Brief an die Landtagsabgeordneten

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Foto: pixabay.com | Caio

Sehr geehrte Landtagsabgeordnete,

die diskutierten beziehungsweise bereits beschlossenen Maßnahmen hinsichtlich der Einsparungen im hessischen Bildungsbereich treffen ein Schulsystem, das seit langer Zeit unter enormem Druck steht. Lehrkräfte arbeiten in der Stadt Darmstadt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg seit Jahren an der Grenze ihrer Belastbarkeit, während gleichzeitig die Anforderungen stetig steigen. Lehrkräfte in Hessen leisten bereits jetzt tagtäglich weit mehr, als dauerhaft zumutbar ist.  

Weitere Einsparungen im Bildungsbereich, wie die geplanten Kürzungen an integrierten Gesamtschulen (IGS), der Wegfall der Altersreduzierung mit Ablauf des 55. Lebensjahres sowie Kürzungen an Studienseminaren, verschlechtern nicht nur die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, sondern auch die Bildungs- und Entwicklungschancen von vielen tausend hessischen Kindern und Jugendlichen erheblich.  


 

Kürzungen an den integrierten Gesamtschulen 

Integrierte Gesamtschulen sind Orte des gemeinsamen und inklusiven Lernens, der individuellen Förderung und des gemeinschaftlichen Aufwachsens. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Chancengerechtigkeit und zum sozialen Zusammenhalt. Die Lehrkräfte an integrierten Gesamtschulen unterrichten Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, zunehmend auch mit besonderem Förderbedarf und oft erheblichen Sprachdefiziten. Viele Kinder in einer Klasse, Lehrkräftemangel und fehlende personelle Ressourcen machen bereits jetzt eine individuelle Förderung fast unmöglich. Kürzungen bei der Zuweisung für Binnendifferenzierung an den integrierten Gesamtschulen verschärfen diese Situation zwangsläufig erheblich. Gerade Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen brauchen stabile Strukturen, ausreichende personelle Kapazitäten und kleine Klassen, um erfolgreich lernen zu können.  An der Mornewegschule Darmstadt fallen beispielsweise durch die Streichung der Zuweisung der Binnendifferenzierung fast 2 Stellen weg.

Alarmierend ist auch der Lehrkräftemangel an integrierten Gesamtschulen. Immer mehr Menschen entscheiden sich bewusst gegen ein Studium im Haupt- und Realschulbereich, weil ihnen bewusst ist, dass die Arbeitsbedingungen miserabel sind und sich weiter verschlechtern. Kürzungen senden hier ein falsches Signal und verschärfen den Nachwuchsmangel zusätzlich.  


 

Kürzungen des Sozialindex 

Zusätzlich soll der Sozialindex an den Schulen um 50% gekürzt werden. Dies bedeutet, dass im Schulamtsbezirk für die Stadt Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg mehr als 15 Stellen wegfallen sollen. Neben den Grundschulen sind hier auch wieder die Gesamtschulen in besonderem Maße betroffen, denen dann Stunden für die individuelle Förderung fehlen. Chancengleichheit kann auf diesem Weg nicht hergestellt werden! 


 

Kürzungen an Studienseminaren 

Studienseminare sind entscheidend für die professionalisierte Ausbildung von zukünftigen Lehrkräften. Diese Ausbildung benötigt Zeit, um Lehrkräften im Vorbereitungsdienst die Grundlagen der Unterrichtsgestaltung, Klassenführung, Diagnostik, Reflexion und Beurteilung der eigenen schulischen Praxis zu vermitteln. Ein Fehlen dieser Kompetenzen wirkt sich drastisch auf die Qualität des Handelns im Unterricht aus. Die Reduzierung der individuellen Betreuungszeit für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst ist daher kurzsichtig und gefährdet die Qualität unserer Schulen.  


 

Wegfall der Altersreduzierung für Lehrkräfte 

Die Altersreduzierung mit Ablauf des 55. Lebensjahres um eine Stunde soll einen Beitrag dazu leisten, es Lehrkräften zu ermöglichen, ihren Beruf bis zum Eintritt in den Ruhestand ausüben zu können. Sie dient dem Erhalt der Gesundheit von Lehrkräften und der Aufrechterhaltung von Unterrichtsqualität. Sie ist damit kein Privileg, sondern ein wichtiges Instrument zur Gesundheitsvorsorge in einem Beruf, der durch hohe Verantwortung, emotionale Belastungen und stetig wachsende Anforderungen geprägt ist.  

Viele Lehrkräfte arbeiten seit langer Zeit an der Belastungsgrenze und viele verlassen den Schuldienst vor der regulären Altersgrenze. Wird die Regelung zur Altersreduzierung ab dem 55. Lebensjahr verschoben oder vollständig abgeschafft, verschlechtern sich nicht nur die Arbeitsbedingungen. Es wird mittelfristig zu mehr Unterrichtsausfall führen – zu einem Zeitpunkt, da Lehrkräfte ohnehin stark belastet sind und der Lehrkräftemangel dramatisch ist.  


 

Fazit und Forderung 

Bildung ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft, eine Investition in Chancengleichheit, sozialen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stärke. Kürzungen im Bildungsbereich treffen Kinder und Jugendliche – und damit die Zukunft unseres Landes. Hessen muss ein verlässlicher Bildungsstandort sein, der Chancengleichheit, Qualität und Professionalität gewährleistet. Dafür braucht es ausreichend Ressourcen. Bildung ist keine verhandelbare Haushaltsgröße, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe.  

Um junge Menschen für einen Beruf im Bildungsbereich zu begeistern, bedarf es dringender Investitionen in Personal, Entlastung der Lehrkräfte, kleinere Klassen und eine gut ausgestattete Inklusion. 

Wir fordern Sie daher auf, sich mit ihren Parteien deutlich und mit großem Nachdruck gegen Sparmaßnahmen und Kürzungen im Bildungsbereich zu positionieren. Setzen Sie sich bitte aktiv für die Verbesserung der Lernbedingungen von Kindern und Jugendlichen sowie der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten an Schulen in Darmstadt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg ein!  


 

Mit GEWerkschaftlichen Grüßen

Barbara Rink-Salzer, Heike Stahlmann-Keufen, Matthias Warich (KV Darmstadt-Land)

Axel Brümmer, Cora Dunkel, Klaus Armbruster (KV Darmstadt-Stadt)

Anne Wernet, Felicitas Hemel (KV Dieburg)